Fotografen sind sonderbare Wesen… sie können Dinge, die kein
anderer kann, sie sehen Sachen, die für gewöhnlich übersehen werden, und sie
ticken vollständig anders als alle anderen mehr oder weniger komischen Kauze
dieses Planeten…

Fotografen müssen nie auf´s Klo!Ich hatte schon viele Shootings, manche dauerten 2 Stunden,
manche 4 Stunden, manche noch länger – ich geh´ 4 x auf´s Klo, ohne auch nur ½
Glas Wasser getrunken zu haben, der Fotograf trinkt 2 Pötte Kaffee, 1 ½
Flaschen Wasser und 1 Glas Orangensaft und geht KEIN Mal auf´s Klo…
… oder bei einem Outdoor-Shooting: 6 Stunden durch den Park
– ich hab 3 Bäume markiert, der Fotograf KEINEN!!!
Fotografen können auch 7 Stunden eine nackte Frau mit einem
Wahnsinnsbody vor sich liegen haben, die sich in den erotischsten Posen und
Gesichtsausdrücken windet und sich dabei auf die Lichtverhältnisse und die
Blitzanlage konzentrieren oder sich mit ihr über eine Hintergrundfarbe
unterhalten, die am besten mit ihrem Teint harmoniert…
Fotografen laufen niemals schnell; sie haben immer das
gleiche Tempo:
l a n g s a m!
Am Anfang bin ich bei Outdoor-Shootings immer vor ihnen hergerannt,
bis ich verstanden hatte, dass das so sein muss, denn ein Fotograf LÄUFT nicht
einfach nur so herum, wenn er läuft – NEIN! Ein Fotograf sucht ständig die
passende Location, den passenden Lichteinfall, den passenden Baum und den
passenden Stein, vor dem das Model posieren kann, und wenn wir mal ehrlich
sind: Beeilen wir uns beim Suchen?.
Fotografen finden auch Dinge toll, die nicht toll sind
Ich hatte mal ein Outdoor-Shooting, da lag ein Schwamm auf
einem Stromzähler. Der Schwamm muss dort schon sehr lange gelegen haben, denn
ich weiß, dass diese Schwämme für gewöhnlich gelb sind, wenn ich sie bei PLUS
kaufe, aber dieser war moddergrün und morastbraun in fleckigem Wechsel. Während
ich nun also den schwarzen Blazer gegen das wollweiße Cape tauschte und noch
den Hut zurechtrückte, schlich der Fotograf in gebückter Haltung mit der Kamera
vor dem Auge um den Stromzähler herum – die Linse immer auf den Schwamm
gerichtet. Als ich dann etwas näher kam, strahlte er mich an: „Hast Du schon
mal so einen Schwamm gesehen?“ Ich musste ihm Recht geben: SO einen Schwamm
hatte ich noch NIE gesehen…
Auch sind sich alle Fotografen von Thailand bis ins
Ruhrgebiet über „ein bisschen“ einig. Die andere Bezeichnung für „ein bisschen“
ist „Stückchen“.
Anfangs habe ich mich immer um ungefähr 4 – 6 cm bewegt,
wenn der Fotograf sagte:
„Ein bisschen nach rechts mit der Schulter!“ „Stückchen zu
mir mit dem Kopf!“ und erntete jeweils ein hochentrüstetes „doch nicht SO ein
bisschen!“ „aber doch nicht SO´N Stückcken“, bis ich verstanden hatte, dass das
Fotografenbisschen 1 mm beträgt, im ALLERhöchsten Fall 3 mm – seitdem reicht
manchmal sogar schon ein tiefer Atemzug…
Fotografen sind wohl auch die einzigen Männer der Welt, die
sich für Frauengarderobe interessieren und Schmuck sowie Accessoires für
wichtig erachten.
Der herkömmliche Mann wirft beim Anblick eines Kleides ja nur
einen kurzen Blick auf das Preisschild und sagt entweder „schön“ oder „Ist noch
was anderes da?“, was soviel bedeutet wie „billig genug“ oder „zu teuer“.
Bei der Frage nach seiner Meinung über Farbe, Form oder
Schnitt des Kleides hört man auch meistens nur ein „Mmh!“ oder „Meinst Du?“,
was auch wieder nichts anderes bedeutet als „billig genug“ oder „zu teuer“.
Ein Fotograf hingegen sieht sich Frauengarderobe genau an,
fasst sogar manchmal den Stoff an, was mich immer wieder in einen kurzweiligen
Zustand des Nichtverstehenkönnens versetzt, beurteilt die Farben und freut sich
sogar über eine Auswahl, die den herkömmlichen Mann an den Rand des
Herzinfarktes bringen würde…
Fasziniert bin ich auch immer wieder, wenn ich vor dem
Spiegel schminke: Fotograf lehnt gedankenversunken mit Kamera in der Hand in
messbarer Entfernung an einer Wand und wartet in dieser Position geduldig ab,
bis alles fertig ist, ohne ein einziges Mal zu fragen:
„Bist Du jetzt fertig?“…
… und auch wohl nur ein Fotograf ist in der Lage, sein
Badezimmer in ein Fotostudio umzufunktionieren und sich darüber zu wundern,
dass seine Frau das „jetzt nicht ganz so gut findet“…
An dieser Stelle überlege ich:
Es müsste sich doch lohnen, mal mit Modeschöpfern zusammen
zu arbeiten…
In diesem Sinne
Herzlichst, Ihre Lena
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