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Test Nikon D300 digitale Spiegelreflexkamera
Geschrieben von Gianfranco La Garda   
Dienstag, 01 Juli 2008
d300aufmacherAls Nikon vor einigen Monaten zwei neue D-SLRs vorstellte, war die Fachwelt gespannt. Was würden die „kleinere D300“ und die für Profis konzipierte D3 leisten und würden die beiden Kameras es schaffen, den Vorsprung gegenüber Canon wieder zu verringern oder diese sogar zu überholen? Unser Test der D300 zeigt, wie sich das kleinere der beiden Modelle schlägt.
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Konzeptionell bringt die D300 viele technische Merkmale der größeren D3 in einem kompakteren Gehäuse mit, wie zum Beispiel einen CMOS-Sensor (jedoch im DX-Format mit 12,3 Megapixeln), die neuen Live-View-Modi oder das neue Autofokussystem mit 51 Messfeldern. Erstmals bei Nikon verfügt mit der D300 eine D-SLR-Kamera über ein Selbstreinigungssystem zur Staubentfernung. Ein weiteres Merkmal, das die D300 auszeichnet ist die ISO-Empfindlichkeiten bis ISO 3200, die sich sogar noch bis ISO 6.400 steigern lässt und der EXPEED
d300schraeg

Viele Bedienelemente machen die D300 zu einem
echten Fotovergnügen und sorgen für ausreichende
Schnelligkeit.

Bildverarbeitungsprozessor. Ebenfalls überarbeitet wurde das sowieso schon sehr gelungene Nikon-AF-System, das nun mit 51 Messfeldern präzise arbeitet und auch unter schlechten Lichtbedingungen schnell und sehr genau scharf stellt. Ein großer 3-Zoll-LCD-Monitor bietet nicht nur eine gute Kontrolle über gemachte Bilder, sondern bietet auch zwei Live-View-Betriebsarten. Das alles – und viele weitere technische Möglichkeiten – bietet Nikon derzeit zu einem Gehäusepreis von ca. 1.500,- Euro (Straßenpreis) an, und schon an dieser Stelle kann man sagen, dass Nikon im Rennen um die vorderen Plätze mit großen Schritten in Richtung Canon zieht.

 

Erster Eindruck und Bedienung

Wer schon einmal mit einer DSLR von Nikon gearbeitet hat, wird sich sofort vertraut mit der D300 fühlen. Das sehr ergonomische Gehäuse liegt perfekt in der Hand und zahlreiche Bedienelemente befinden sich genau an den richtigen Stellen, um einen reibungslosen und intuitiven Workflow zu ermöglichen. Für alle wichtigen Funktionen stehen separate Tasten bereit, um die jeweilige Funktion sofort aufrufen zu können. Das ist wirklich gut durchdacht und klasse umgesetzt, sodass man nur höchst selten in das übersichtliche und einfache Menü eintauchen muss. Auch das Nikon-typische Bedienkonzept Blende und Verschlusszeit mit zwei einzelnen Einstellrädern zu steuern, trägt zu einem problemlosen Arbeiten bei. Die Kamera kann permanent vor dem Auge bleiben und die entsprechenden Werte werden im Sucher dargestellt. Das ist besonders hilfreich in Situationen, wo man schnell und sicher seine Bilder in den „Kasten bekommen muss“. Eine vom Nutzer belegbare Funktionstaste rechts auf der Vorderseite der Kamera ist ebenfalls hilfreich, allerdings liegt sie für meine Hände ein wenig zu nah am Objektiv und lässt sich deswegen nicht ganz so einfach wie andere Tasten bedienen. Schade finde ich, dass nicht alle Kamerafunktionen auf die Taste gelegt werden können und nur einige vordefinierte zur Auswahl stehen. Allerdings sollte es ein Leichtes für Nikon sein, hier vielleicht mit einem Firmware-Update nachzubessern.

Klick und Bild

Man mag es kaum glauben, aber mit der D300 geht der Fotospaß direkt los. Man wählt entweder manuell die Einstellungen oder nutzt eines der drei Automatikprogramme [P] mit Programmverschiebung, Blendenautomatik [S] oder Zeitautomatik [A]. Weitere Programme bietet die 300 nicht. Da die Kamera sich eindeutig an eine professionellere Zielgruppe richtet, eine durchaus verständliche Maßnahme. Da sie aber auf Grund des spannendes Preises sicher auch den ein oder anderen ambitionierten Amateur begeistern dürfte, von den vielen anderen technischen Gründen ganz zu schweigen, wären vielleicht ein paar wenige Zusatzprogramme keine schlechte Zugabe gewesen. Und auch ich gebe zu, dass ich manchmal „faul“ bin und nur ein Programm wähle.
Ist das Bild geschossen, hat man eine sehr gute Kontrolle auf dem großen Bildschirm. Hell, gut und auch aus großem Winkel ablesbar, ist das 3-Zoll-LCD-Display ein wahres Vergnügen für die Augen. Sie können weitere Aufnahmeinformationen oder ein Histogramm einblenden oder auch mit der Lupe sehr genau in das Bild einzoomen. 

d300hinten

 
Auch die Rückseite der D300 zeigt sich über-
sichtlicht und aufgeräumt.
 

Der wirkliche einzige Nachteil des Displays ist die fehlende Schwenkbarkeit. Da Nikon erstmals in einer Kamera dieser Klasse Live-View integriert hat, wäre eine Schwenkung klasse. Man mag über Live-View denken, wie man möchte, aber in manchen Situationen ist es einfach sehr praktisch, sei es im Macro-Bereich, wo man damit einen perfekten Eindruck des Bildes bekommt oder auch bei Situationen, wo man „über Kopf ins Blaue“ fotografieren muss, beispielsweise bei Konzerten oder Politikern mit großem Andrang. Hier böte ein schwenkbares Display noch mehr Komfort und vor allem Kontrolle über das Bild.

Ein Autofokus der Sonderklasse

Der AF der D300 ist wirklich einer der Höhepunkte der Kamera. Präzise, schnell und vielseitig. Selten haben wir so viel Spaß mit einem AF gehabt. Auch bei wenig Licht hat mich die Qualität mehr als überzeugt. Im Rahmen des Tests haben wir die 300 sowohl mit dem neuen 24-70 von Nikon als auch weiteren Nikon Objektiven aus eher günstigen Baureihen getestet. Auch Objektive von Fremdherstellern unterschiedlicher Preisklassen kamen zum Einsatz und immer blieb eines gleich: Das perfekte Ergebnis, das dieses Kamera liefert.

Bildqualitäten

In Sachen Bildqualität setzt die D300 neue Standards. Dabei ist es viel weniger die vergrößerte Auflösung, als das unglaubliche Rauschverhalten, das sie auszeichnet. Waren Nikon-Kameras ihren vergleichbaren Modellen von Canon oft unterlegen und man musste in Sachen Available-Light-Fotografie auf Canon oder andere Marken ausweichen, liegt man mit der Nikon D300 nun ganz weit vorne. Mit einer maximalen ISO-Zahl von 3.200 bietet die 300er schon ausreichende Empfindlichkeitsreserven. Diese lässt sich noch in drei Schritten steigern. Wirklich erstaunlich ist dabei, wie gering das Rauschen ausfällt. Wir haben in verschiedenen dunklen Lichtsituationen Bilder gemacht, die selbst bei Verwendung der höchsten Empfindlichkeit noch mehr als brauchbar sind. Nikon ist es zudem scheinbar gelungen, die Art des Rauschens zu verändern. Während ältere Modelle noch mit einer Farbstreuung daher kamen, die verrauschte Bilder oft unbrauchbar machten, sieht das Rauschen der D300 eher wie die Körnung eines entsprechend empfindlichen Films aus.
Lediglich die D3 von Nikon kann hier noch mehr Punkte sammeln, kostet aber auch deutlich mehr. Für uns ist die D300 das derzeitige Nonplusultra in Sachen Available-light-Fotografie und Bildqualität, vor allem, wenn man den vergleichsweise günstigen Preis bedenkt.

d300oben
Mit den drei Tasten für Weißabgleich (WB),
Bildqualität (QUAL) und die Empfindlichkeit
(ISO) bietet die D300 schnellen Zugriff auf
häufig genutzte Werte.
 

 

Mehr Dynamik?

Die D300 bietet mit D-Lighting eine Funktion, die die Bilddynamik erweitert. Als Folge erhalten Bilder eine deutlich bessere Zeichnung und sonst entweder zu helle oder zu dunkle Bereiche enthalten mehr Details, als ohne D-Lighting. Wer mag, kann diese Funktion auch abschalten oder in ihrer Wirkung dosieren. Wir waren zuerst auch zweifelnd, da wir bestimmte Dinge lieber ers

t im Nachhinein bei der RAW-„Entwicklung“ entscheiden. Aber nachdem wir die ersten Bilder mit auf mittlerer Stufe aktiviertem D-Lighting gesehen haben, waren wir doch sehr angetan bis begeistert. Die Bildqualität ist klasse und Bilder enthalten viel mehr Details. Auch Portraits sehen sehr schön und natürlich aus. Beim Test konnten wir zuerst kaum glauben, welche Qualität die Bilder haben. Mittlerweile sind wir echte D-Lighting-Fans geworden.

VR gegen Verwackeln

Eher eine Glaubensfrage ist der VR. Nikon setzt hier auf „Lens-Shift“, also eine VR-Technologie, die in den Objektiven integriert ist. Das hat auf der einen Seite den Nachteil, dass man für mehr Verwackelungsfreiheit auch deutlich mehr zahlen muss, denn jedes Objektiv, dass auf diese Technik zurückgreift, muss damit auch ausgerüstet sein. Man kauft also mit jedem Objektiv eine weitere VR-Einheit. Kameras mit integriertem VR bieten demzufolge Verwackelungsschutz für jedes Objektiv. Dafür funktioniert der Verwackelungsschutz bei Nikon aber auch schon vor der Auslösung, was natürlich besonders beim Live-View oder beim Blick durch den Sucher ein klarer Vorteil ist. Bedenkt man, welche Möglichkeiten die D300 durch ihren Empfindlichkeitsbereich eröffnet, dürfte VR sowieso nur selten wirklich gebraucht werden.

Wünsche

An der D300 gibt es für uns nur wenige bis keine Kritikpunkte, sondern eher Wünsche, die wir uns gut daran vorstellen könnten. Zum Beispiel einen Dioptrinausgleich am Sucher, der mehr als +/- 2 Dioptrin bietet. 

d300vorne
Direkt links neben dem Objektiv-Bajonett findet sich
ein Funktionsknopf, der mit einigen Parametern be-
legt werden kann. Leider stehen nicht alle, sondern
nur eine gewisse Anzahl zur Auswahl. Vielleicht kann
Nikon hier mit einem Firmware-Update noch nach-
bessern?

Auch die Möglichkeit, mit einem kleineren RAW-Format zu arbeiten, wäre klasse. Oft weiß man schon, dass man Bilder bspw. nur für die Verwendung im Internet benötigt oder in kleinen Formaten. Bei vollen 12,3 Megapixeln braucht man neben dem entsprechend schnellen Rechner vor allem mehr Zeit für die Bearbeitung. Zwar kann man auf das kleinere JPG-Format ausweichen und hat immer noch Bilder von beeindruckender Qualität, allerdings fehlen dann die nachträglichen Entwicklungsmöglichkeiten des RAW-Formats. Eine zusätzliche RAW-Größe von 6 Megapixeln wäre ein guter Kompromiss.

Fazit

Mit der D300 ist Nikon ein toller Wurf gelungen, denn die Kombination aus einfacher Bedienung, vielen Funktionen, überragender technischer Ausstattung gepaart mit einem günstigen Preis machen die D300 derzeit nicht nur für ambitionierte Fotografen sondern auch für Profis interessant. Zurzeit muss man für den Body der D300 etwa 1.500 Euro Straßenpreis einplanen. Selten gab es so viel Möglichkeiten und Qualität zu einem so günstigen Preis. Darüber hinaus dürfte die Kamera für Available-light-Fotografen der neue digitale Standard werden, den man dennoch bezahlen kann. Auch die im Vorspann aufgeworfene Frage, ob Nikon den Vorsprung gegenüber Canon hat verringern können, lässt sich mit einem klaren Ja beantworten. Derzeit hat Nikon mit der D300 und der D3 die Nase wieder vorne!
Dies alles sind Gründe, die uns dazu veranlassen, diese Kamera mit dem La-Garda-Innovations-Award auszuzeichnen und ihr zusätzlich einen Kauftipp zu verleihen.

 

la-garda-innovationla-garda-kauftipp

 

 

 

 

 

 

nikond70rauschvergleich

Hier sehen Sie, wie eine ältere DSLR (in dem Fall eine Nikon D70 von 2005)
bei einer Empfindlichkeit von "nur" 1.600 ISO rauscht. Neben den vermehrten
Rauschanteilen fällt vor allem deren Farbigkeit auf. So bleibt das Rauschen
stehts sichtbar und erinnert wenig an analoge Filme mit entsprechender
Körnung.
 

 

 d300rauschen
Der Vergleich des Rauschverhaltens zeigt (auch wenn das Foto ein anderes Motiv
zeigt) deutlich die Entwicklung bei Nikon. Die D300 produziert bei ISO 3.200 plus
0,3 LW nicht nur deutlich weniger Rauschen, sondern dieses fällt auch wesentlich
weniger auf. 
(Klick auf´s Bild öffnet größere Version)

   

Im Überblick

  • CMOS-Bildsensor im DX-Format mit 12,3 Megapixel . Integriertes Sensorreinigungssystem zur Staubentfernung.
  • Serienaufnahmen mit bis zu 6 Bildern/s (bis 8 Bilder/s bei Verwendung des optionalen Multifunktionshandgriffs MB-D10 mit optionalem Lithium-Ionen-Akku EN-EL4a oder 8 Mignon Batterien/Akkus).
  • ISO 200-3200: kann auf ISO 6.400 erhöht bzw. auf ISO 100 reduziert werden.
  • EXPEED Bildverarbeitungs-Engine mit 14-Bit-A/D-Wandler und 16-Bit-Bildverarbeitung für hervorragende Tonwertabstufungen.
  • Fortschrittliche Motiverkennung koppelt die Belichtungsmessung und die AF-Sensoren der Kamera und garantiert hoch präzise Belichtungen und klare, gestochen scharfe Aufnahmen.
  • Autofokussystem Multi-CAM3500DX mit 51 Messfeldern . Einzeln anwählbar oder in Gruppen mit 9, 21 oder 51 Messfeldern konfigurierbar.
  • Reaktionsschnell mit einer Aufnahmebereitschaft in etwa 0,13 s nach dem Einschalten und einer Auslöseverzögerung von 45 Millisekunden.
  • Bildoptimierungskonfigurationen vereinfachen die kamerainterne Bildverarbeitung durch Anpassung der Bildparameter bereits vor der Aufnahme und ermöglichen die vollständige Kontrolle über Scharfzeichnung, Kontrast, Helligkeit, Farbton und Sättigung in verschiedenen Farbmodi.
  • 3-Zoll-LCD-Monitor mit 920.000 Bildpunkten und großem Betrachtungswinkel von 170 Grad.
  • Live View mit Autofokus gestattet die Bildkomposition mithilfe des LCD-Monitors. Zwei Betriebsarten werden unterstützt: Freihand oder Stativ.
  • Aktives D-Lighting sorgt durch automatische Tonwertkorrektur im Moment der Aufnahme für beste Detailzeichnung in Schatten und Lichtern auch bei enorm kontrastreichen Motiven.
  • Robustes Gehäuse aus einer Magnesiumlegierung: Spritzwasser- und staubfest.
  • Verbesserte Akkuleistung : Sequenzielle Stromversorgung durch den in der Kamera befindlichen Lithium-Ionen-Akku EN-EL3 und anschließend durch den (optionalen) Multifunktionshandgriff. HDMI -Videoausgang ermöglicht den Anschluss an hochauflösende Videosysteme.
  • Intuitive Ergonomie mit optimal angeordneten Bedienelementen für schnelle und komfortable Handhabung.
  • Leichtes Gehäuse aus einer Magnesiumlegierung.


Mehr Infos unter www.nikon.de

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