„Was lange währt, wird endlich gut!“, so oder so ähnlich dürfte mancher Anhänger der fernöstlichen Traditionsschmiede Olympus gedacht haben, als nach vier langen Jahren endlich ein Nachfolger für die Spiegelreflexkamera E1 vorgestellte wurde.

Olympus hat die Zeit effizient genutzt, um nicht nur marginale Änderungen an der E1 vorzunehmen, sondern im Gegenteil, eine komplett neue Kamera zu konstruieren, die als Flagschiff ihrer Produktlinie auf höchstem technischen Stand ist und sich keineswegs hinter den aktuellen Modellen der Mitbewerber verstecken muss. Die Auflösung des neuen Hi-Speed Live-Mos Sensors hat sich gegenüber dem CCD-Chip der alten E1 mit 10,1 Millionen effektiven Pixeln mehr als verdoppelt. Ein komplett neues Autofokussystem mit 11 Kreuzsensoren sorgt in Kombination mit dem 12-60 mm SWD Objektiv für den derzeit schnellsten Autofokus am Markt. Der integrierte Bildstabilisator gewährleistet verwacklungsfreie Aufnahmen, auch bei längeren Verschlusszeiten und unabhängig vom verwendeten Objektiv. Die kürzeste Belichtungszeit ist mit 1/8000 sec doppelt so schnell wie beim Vorgängermodell und die minimale Blitzsynchronzeit ist mit 1/250 sec gegenüber 1/180 sec bei der E1 verbessert worden. Eine aktive Sensorreinigung sorgt für staubfreie Aufnahmen und der neue, hochauflösende, ausklappbare Bildschirm, ermöglicht in Zusammenarbeit mit dem Live-View System Aufnahmen aus Perspektiven, die bei vielen anderen Spiegelreflexkameras zum reinen Glücksspiel werden.
Hohe Erwartungen
Meine Erwartungen waren somit recht hoch, als ich den silbernen Karton öffnete, um ein Exemplar der E3 einem kurzen aber ausgiebigen Praxistest zu unterziehen. Die Zeiten sind lange vorbei, wo ich mit feuchten Händen und ehrfuchtsvollem Blick die Wunder der Technik in Augenschein nahm, aber ich muss zugeben, der erste Griff zur Olympus E3 hat mein Herz etwas höher schlagen lassen. Wie auch immer die Testergebnisse ausfallen mögen, die Technik der E3 ist in einem äußerst soliden Gehäuse verpackt. Ein ähnliches Wertigkeitsgefühl hatte ich zuletzt, als ich meine Mamiya 645 AFD ihrer Umverpackung entnahm. Das mitgelieferte 12-60 mm SWD Objektiv vermittelt einen vergleichbar robusten Eindruck und nach der Montage des Objektives ist kein merkliches Spiel feststellbar. Wie bei anderen Modellen des Herstellers, basiert das Bajonett auf dem Four/Thirds Standard, d.h. es können Objektive unterschiedlicher Hersteller verwendet werden. Da ich überwiegend im Hochformat arbeite, bin ich an Kameras mit zusätzlichem Batteriegriff gewöhnt, aber auch ohne diesen liegt die E3 hervorragend in der Hand.
Nur mit Bedienungsanleitung
Meinen Versuch die Kamera weitestgehend ohne Zuhilfenahme des Handbuchs zu bedienen gab ich rasch auf. Zu verschachtelt sind die Menüs, auch die Abkürzungen oder verwendeten Symbole sind nicht selbsterklärend. Das Handbuch selbst ist übersichtlich und gut gegliedert, so dass lernfähige Zeitgenossen schon nach kurzer Zeit nur noch in Ausnahmefällen darauf zurückgreifen müssen. Zum Wechseln des Aufnahmemodus gibt es keinen zusätzlichen Drehknopf, stattdessen wird die „Mode“ Taste gedrückt und mit dem rückseitig angebrachten Einstellrad der Aufnahmemodus, also Programmautomatik, Blendenvorwahl, Zeitvorwahl, Manuell und Langzeitbelichtung eingestellt. Mit dem vorderen Einstellrad kann von Einzelbild auf Serienaufnahme(n), Selbstauslöser und Fernbedienung umgeschaltet werden. Durch zusätzliches drücken der „AF“ Taste, gelangt man in den Bracketing-Modus, dessen umfangreiche und sinnvolle Vorgaben, wahlweise durch vorderes oder hinteres Einstellrad ausgewählt werden können.
Speichern
Zum Speichern der Daten verfügt die Olympus E3 sowohl über einen Einschub für CompactFlash/Microdrive, als auch einen Einschub für xD-Picture Cards. Das Kartenfach selbst ist mit einem Entriegelungshebel versehen, so dass ein unbeabsichtigtes Öffnen nicht möglich ist. Bei gleichzeitig eingesetzter CompactFlash und xD Karte, kann der Benutzer auswählen, auf welche Karte gespeichert wird. Bei kombinierter Aufnahme von RAW und JPG würde ich mir ein verteiltes schreiben, z.B. RAW auf CompactFlash und JPG auf xD-Card wünschen, diese Option ist allerdings nicht vorgesehen. Ein erster Blick durch den Sucher überrascht mit einem erstaunlich großen und hellen Bild. Der Sucher verfügt über eine Dioptrinregelung und einen Sucherverschlusshebel, dies ist zum Beispiel im Live-View Modus oder auch bei Langzeitbelichtungen wichtig und sinnvoll, um durch den Sucher eindringendes Licht zu verhindern. Bei vielen anderen Kameras muss hierzu mühsam die Augenmuschel abgenommen und durch einen lichtundurchlässigen Kunststoffverschluss ersetzt werden. Das Augenmuscheln in der Regel schwarz sind und Langzeitbelichtungen vorwiegend im Dunkeln durchgeführt werden, erhöht dann nicht zwangsläufig die Chance den Heimweg mit kompletter Ausrüstung anzutreten.

Einsatz im Studio
Die Olympus E3 ist sowohl mit einem Blitzschuh, als auch mit einer Blitzsychronbuchse ausgestattet. Der Blitzschuh wird vorbildlich durch eine einschiebbare Kunststoffkappe vor dem Eindringen von Schmutzpartikeln und Feuchtigkeit geschützt. Bei der Synchronbuchse übernimmt diese Funktion eine kleine Schraubkappe. Dummerweise haben sämtliche Teile, die kleiner sind als meine Handfläche und sich von einem Gerät entfernen lassen, die unangenehme Eigenschaft, sich innerhalb kürzester Zeit meiner Gegenwart durch Verdunstung zu entziehen. Im Studiobetrieb nimmt der Blitzschuh problemlos standardisierte Funk oder Infrarotauslöser mit Mittenkontakt auf, ein Feature, das leider nicht bei allen am Markt vorhandenen Kameras zu verzeichnen ist. Im Gegensatz zu digitalen Canon SLRs, funktioniert auch das Blitzen mit der Studiotechnik auf den zweiten Verschlussvorhang problemlos. Als weitere Verbesserung im Vergleich zum Vorgängermodell, verfügt die Olympus E3 über einen eingebauten Blitz mit Leitzahl 13, der durch eine dedizierte Taste ausgeklappt wird. Der Blitz übernimmt auch die Funktion eines AF-Hilfslichtes. Dies ist zwar einerseits lobenswert, andererseits verhindert natürlich ein aufgesteckter Fernauslöser das ausklappen des Blitzes, so dass man im Studio ohne AF-Hilfslicht auskommen muss. Selbst bei schwacher Raumbeleuchtung des Studios gab es aber, zumindest mit dem verwendeten Objektiv, keinen Grund zur Klage. Der Fokus sitzt und passt. Für die Arbeit im Studio steht natürlich ein Einzel AF Messfeld Modus zur Verfügung. Diese Aufgabe kann beliebig einem der 11 vorhandenen Messfelder zugewiesen werden. Im Einzel AF Modus besteht zudem die Möglichkeit einer Spot Einstellung, d.h. die Scharfstellung erfolgt nur innerhalb des gewählten AF-Feldes, ansonsten wird auf einen Bereich scharf gestellt, der etwas größer als das AF-Feld ist. Der hierzu erforderliche Eintrag, versteckt sich im Menü „AF Empfindlichk. Klein“, einen Menüpunkt, den ich ohne Lektüre des Handbuches nie im Leben freiwillig aktiviert hätte.
Bilder anschauen
Nach den Aufnahmen, können diese mit Hilfe des Wiedergabeknopfes betrachtet werden. Die Einstellräder werden dabei zum Zoomen verwendet und die Cursor-Tasten dienen der Navigation im Bild. Durch Drücken der „Info“-Taste wird zwischen verschiedenen Darstellungsmodi umgeschaltet, die sich in ihrem Informationsgehalt unterscheiden. So können beispielsweise überbelichtete Bereiche oder unterbelichtete Bereiche, blinkend dargestellt, angezeigt werden, oder die Aufnahmeparameter oder auch die Histogramme. Da sequentiell umgeschaltet wird, muss man mehrfach drücken, um beispielsweise von den Überbelichtungen zu den Histogrammen zu kommen. Lobenswert dagegen ist, dass der zuletzt gewählte Anzeigemodus gespeichert wird und auch nach dem Abschalten der Kame ra, bei der nächsten Inbetriebnahme zur Verfügung steht.
Einsatz Outdoor und ein gute Objektiv
Gehäuse und Objektiv sind spritzwasser- und staubgeschützt und somit optimal auf den rauen Alltagseinsatz von Reportern oder Naturfotografen vorbereitet. Das 12-60 mm SWD Objektiv (24-120 mm, Vollformat äquivalent) verfügt über einen breiten, gummierten Zoomring, der präzise und soft arbeitet. Der Fokusierring ist ebenfalls gummiert und griffgünstig im vorderen Bereich des Objektivs platziert. Das lichtstarke Kit-Objektiv besitzt eine Offenblende von 2,8 im unteren und 4,0 im oberen Brennweitenbereich und wird zusammen mit einer Sonnenschutzblende und einem Objektivbeutel ausgeliefert. Der Brennweitenbereich ist, zumindest was meine Anwendungen anbelangt, sinnvoll gewählt, darüber hinaus bietet Olympus natürlich weitere Objektive, welche den Weitwinkel oder Telebereich abdecken. Das mitgelieferte Objektiv hat eine Naheinstellgrenze von 25 cm und eignet sich auch für Makroaufnahmen. Der Antrieb des Autofokus verrichtet seine Arbeit angenehm leise und schnell. Chromatische Aberration war nur unter extremen Lichtverhältnissen ansatzweise sichtbar. Die Olympus E3 verfügt über einen Auto-ISO Modus, der bei schlechten Lichtverhältnissen nicht zu unterschätzende Dienste leistet und manche Aufnahme vor der drohenden Verwacklung bewahrt. Hierzu trägt auch der hervorragend arbeitende Bildstabilisator bei, der vor allem am oberen Ende des Zoombereichs sinnvoll einsetzbar ist.
Display
Das ausklappbare und schwenkbare Display mit Live-View ermöglicht dem Fotografen Aufnahmen aus Kamerapositionen, die mit einer herkömmlichen Spiegelreflexkamera unmöglich zu realisieren sind, bzw. bestenfalls Glückstreffen erbringen. Der Preview ist zoombar, so dass auch manuelles Fokussieren möglich ist. Outdoor wurden RAW und JPG gleichzeitig aufgezeichnet und der spätere Vergleich in Adobe Lightroom zeigte, dass die „Out of the cam“-JPGs von wirklich hervorragender Qualität sind. Bei diesen Vergleichen fiel auch auf, dass bei Lightroom Versionen kleiner 1.4 ein horizontaler Bildversatz der RAW-Aufnahmen festzustellen ist. Dieser horizontale Versatz konnte mit den aktuellen Versionen von Adobe Lightroom nicht mehr nachvollzogen werden. Von der versprochenen Wetterfestigkeit der Olympus E3 habe ich mich an einem regnerischen Nachmittag persönlich überzeugt.
Fazit
Die Olympus E3 ist eine äußerst solide Kamera, die hervorragend in der Hand liegt. Die technischen Finessen sind vor allem Outdoor oder „on Location“ sinnvoll einsetzbar und so sehe ich auch das typische Einsatzgebiet weniger im Studio als vielmehr im Außeneinsatz. Die Bildqualität ist ansprechend, im hohen ISO-Bereich allerdings haben einige der Mitbewerber Vorteile zu bieten. Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung der hier vorgestellten Kombination von 2-649,- EUR (Straßenpreis ca. 1.400,- EUR) wird deutlich, dass die Kamera nicht zu den Schnäppchen des Einsteigersegmentes gerechnet werden kann und die anvisierte Klientel wohl eher im Profibereich zu suchen ist. Und es gibt einige Alternativen in diesem Preissegment oder auch günstiger, die einen vergleichenden Blick mehr als verdient haben. Allerdings zeigt der niedrige Straßenpreis in die richtige Richtung und macht die E3 deutlich attraktiver. Zusammengefasst hat Olympus hervorragende Arbeit geleistet und so schließe ich den Bericht mit einem Satz von Hoffmann von Fallersleben ab: „Ja liebe Brüder, Mut nur Mut!, Was lange währt, wird gut.“
Mehr Infos unter www.olympus.de
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