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History: Voigtländer Brillant Mittelformatkamera von 1931
Geschrieben von Franz T. Reichlinger   
Freitag, 23 Mai 2008
aufmacherIn einer weiteren Folge von History möchten wir Ihnen eine Kamera vorstellen, die auf Grund Ihres Alters eigentlich schon fast ins Muserum gehört, die aber dennoch mit interessanten Fotos aufwarten kann: Die Voigtländer Brillant.
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Voigtländer gehört zu den traditionsreichsten optischen Unternehmen in Deutschland und auch die Kameras dieses Herstellers, seien es Bessa oder Bergheil, trugen zur stetigen Steigerung der Beliebtheit der Fotografie bei. Mit der ersten, 1931 vorgestellten Kamera namens Brillant bot Voigtländer eine doppelläugige Kamerakonstruktion, die auf 6 x 6 cm Mittelformatfilm aufnahm und die Dank ihres gleich großen Mattscheibensuchers eine sehr gute Kontrolle über das spätere Bild bot. Während die zu dieser Zeit noch gebräuchlichen Balgenkameras in Sachen Sucher oft nicht mehr als zwei „Blechrähmchen“ oder Drahtbügel boten, war das ein großer Fortschritt und Gewinn an Komfort.

urmodel Brillant 1

Diese Brillant I verfügte je nach Version über ein Voigtar 1:9 / 7,5 cm oder ein 1:7,7 / 7,5 cm Objektiv, das nur sehr wenige Einstellmöglichkeiten bot. Die Verschlusszeit konnte entweder 1/25 oder 1/50 betragen. In der Einstellung B blieb der Verschluss so lange geöffnet, wie man den Auslöser gedrückt hielt, was besonders in lichtschwachen Aufnahmesituationen ohne bewegte Motive hilfreich war, aber auf jeden Fall ein Stativ oder sicheren Standplatz erforderte. Drei Blenden standen bei der Brillant 1 (die ich verwende) mit 1:7,7 Voigtar zur Auswahl: 7,7, 11 und 22.
Die Entfernung konnte relativ unpräzise zwischen Gruppe, Porträt und Landschaft eingestellt werden. Eine grobe Skala in Metern war eher eine Orientierung, als eine echte Hilfe. Belichtungs- oder Entfernungsmesser bot die Brillant 1 nicht und auch Sucherobjektiv war nicht gekoppelt, sodass man keine Kontrolle über die getroffenen Einstellungen hatte. Hier musste man dann seiner Erfahrung vertrauen oder mehrere Varianten eines Bildes machen, um sicherzugehen, eine gute Einstellung gefunden zu haben.
In dem handlichen und robusten Metallgehäuse ist ein Bildzählwerk integriert, damit man sieht, wie viele Bilder noch auf dem Film sind. Insgesamt können mit einem 120er Rollfilm 12 Bilder gemacht werden.
Dringend empfohlen ist die Verwendung eines Drahtauslösers, denn die kleinen Metallhebel sind doch recht klein und fummelig.

mittlere

Brillant 2

Schon kurz nach der ersten Version kam etwa 1932 eine zweite verbesserte Brillant auf den Markt, die vor allem mit einem optimierten Objektiv aufwarten konnte, das mehr Einstellmöglichkeiten bot. Die 2er Version wurde später ebenfalls in einer leicht veränderten Variante mit einem anderen Objektiv angeboten. Die Brillant 2, die ich nutze, ist mit einem Skopar 1:4,5 / 7,5 cm ausgerüstet, das jetzt auch über einen recht präzise einstellbaren Entfernungsring verfügte, der eine entsprechende Skalierung aufweist. An Blenden standen 4,5 / 6,3 / 9 / 12 / 18 und 25 zur Wahl. Die größte Verbesserung lag jedoch eindeutig in den erweiterten Verschlusszeiten, die neben B eine Spanne von 1 Sekunde bis zu einer 1/300 Sekunde in 8 Stufen abdeckten. Auch die Einstellung T war hinzugekommen, bei der der Verschluss bei der ersten Betätigung des Auslösers öffnet und bei erneuter Betätigung wieder schließt. Dank dieser erweiterten Verschlusszeiten ließ sich die Brillant deutlich flexibler einsetzen, denn vor allem bei hellem Sonnenlicht in den Bergen war man oft an Grenzen gelangt, die keine vernünftige Belichtung mehr erlaubten. Ohne Graufilter ging dann oft gar nichts. Es sei denn, man hatte entsprechend gering empfindliche Filme eingepackt. Die Brillant 2 dürfte es auch in einer Version mit einem Skopar Objektiv mit 1:3,5 / 7,5 cm gegeben haben, die über eine noch feinere Entfernungseinstellungsmöglichkeit verfügte.
Auf der Rückwand des Lichtschachtsuchers findet man bei der 2er eine Tiefenschärfetabelle, die einem helfen kann, die Schärfebereiche eines Bildes besser zu planen.
Im Gegensatz zur Ur-Brillant ist die 2er Version deutlich flexibler einzusetzen und entspricht schon in vielen Punkten einem technischen Stand, den man auch heute noch an Kameras kennt und zu schätzen weiß. Die optische Leistung kann sich sehen lassen, kommt aber natürlich nicht an heutige Objektivkonstruktionen heran. Allerdings ist der Charme, der den Bildern der ersten Brillant noch inne wohnt, auch deutlich geringer. Der gewisse Old-Style-Look tritt mehr in den Hintergrund und die Fotos sehen eher nach späteren Jahren aus.

neueste

Brillant 3

Die Brillant 3 kam etwa 1937 auf den Markt und stellte eine deutliche Weiterentwicklung gegenüber den beiden Vorgängern dar. Die wohl auffälligste Neuerung ist das Gehäuse aus Bakelit. Als Objektiv kam Anfangs ein Skopar 1:3,5 / 7,5 cm, das man aus der späteren Brillant 2 kennt, zum Einsatz. Auch ein Voigtar 1:6,3 / 7,5 cm wurde genutzt. Ab etwas 1939/40 wurde auch ein Voigtar 1:3,5 / 7,5 cm verbaut. Als Sucherobjektiv wurde ein gegenüber dem in der 1 und 2 verwendeten, deutlich größeres eingebaut, das mit einer Lichtstärke von 1:2,2 auch ein helleres Sucherbild lieferte. In den Lichtschachtsucher war nun ein einfacher Durchsichtsucher integriert, um flexibler bei der Bildgestaltung in bestimmten Aufnahmesituationen zu sein. Das Bildzählwerk war jetzt mit einer Rasterung versehen, die dafür sorgte, dass man nur je ein Bild vorspulen konnte. Auf der linken Seite befindet sich eine Klappe, hinter der sich nicht nur eine Lichtmessertabelle befindet, sondern auch Platz für einen Gelbfilter und einen Belichtungsmesser war. Der optische Belichtungsmesser wurde vor das Sucherobjektiv gesteckt und konnte dann entsprechend im Sucher abgelesen werden. Auch ein Anschluss für ein externes Blitzgerät wurde integriert, sodass sich die Kamera auch für den Einsatz im Studio nutzen ließ. Alles in allem bot die 3er-Version eine erneute Steigerung der optischen Leistung und die damit gemachten Bilder können auch heute noch begeistern, lassen aber noch mehr als die 2er den urigen Charme der 1er vermissen.

Praxis

Die Arbeit mit den drei verschiedenen Brillant Kameras gestaltet sich recht einfach. Ein Film ist schnell eingelegt und 120er-Rollfilm ist im gut sortierten Fotohandel immer noch erhältlich. Mit einem externen Belichtungsmesser ermittelt man die benötigten Werte und stellt diese am Objektiv ein, soweit möglich. Bei der Brillant 1 ist auf Grund der wenigen Optionen immer ein wenig „über den Daumen peilen“ angesagt, um gemessene Werte mit den wenigen Einstellmöglichkeiten in Einklang zu bringen. Die Entfernung schätzt man entweder ab oder bemüht einen externen Entfernungsmesser. Nun klappt man den Lichtschacht auf, sucht im großen, aber seitenverkehrt darstellenden Sucher das gewünschte Motiv und löst aus. Die Bedienung ist recht leicht, allerdings braucht es schon eine gewisse Zeit, bis alle Einstellungen getätigt sind. Da man schnell das ein oder andere dabei vergisst, sollte man schon mit einer gewissen Konzentration an die Brillant gehen, die einen dafür aber auch dann mit entsprechenden Bildern belohnt.

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bozen

Bei einem Shooting am Rhein enstand dieses Bild, das neben der leichten Vignettierung der Ecken auch mit einer sehr sanften und weichen Farbgebung einen besonderen Charme entwickelt.   Fotografiert mit der Brillant 1 und dann vom Negativ eingescannt.

In der Altstadt von Bozen in Südtirol entstand dieses Bild, das wie eine Reise in die Vergangenheit wirkt und dennoch aus dem Jahre 2006 stammt.  Fotografiert mit der Brillant 1 und dann vom Negativ eingescannt.

Mitten in Bozen stand dieser
Eiswagen, der ein ideales Motiv
für ein Farbbild im Stile der Nachkriegszeit abgab. Fotografiert mit der Brillant 1 und dann vom Negativ eingescannt.

Heutige Einsatzgebiete

In Zeiten digitaler Megapixelmonster erntet man immer wieder erstaunt-wehmütige Blicke, wenn man eine Brillant auspackt und damit Bilder macht. Qualitativ kommen die Bilder der 3er zwar durchaus noch mit heutigen Ansprüchen zurecht, ihre wahren Stärken sehe ich aber eindeutig in zwei Dingen: Zum ersten, was vor allem für die Brillant 1 gilt, produzieren die alten Optiken diverse Fehler und Abweichungen, die dem Bild jedoch einen herrlichen Touch Altertum, Charme und Eigenwilligkeit verleihen. Zum zweiten zwingt einen die Bedienung mit Belichtungsmessung, Entfernungsmessung und Einstellung dazu, sich ein Foto sehr genau zu überlegen, Man muss bei Bedarf seinen Standpunkt verändern, weil kein Zoom-Objektiv einem diese Arbeit abnimmt. Man schaut im Sucher und probiert, bis man die gewünschte Komposition gefunden hat. All das trägt dazu bei, dass man nach einer gewissen Zeit der Einarbeitung Bilder mit einer Brillant machen kann, die ganz andere Qualitäten aufweisen und die sich keineswegs in Megapixeln oder technischen Werten erfassen lassen, sondern durch das pure Anderssein neue Wege aufzeigen. Durch die Arbeit mit solchen analogen Schätzchen erweitert sich der fotografische Horizont und überträgt sich auch gerne auf die Arbeit mit digitalen Kameras.

Preise und Angebot

Brillant Kameras sind recht einfach zu kaufen. Im klassischen Fotohandel und bei Fotobörsen findet man die Kamera immer wieder und auf Grund ihrer geringeren Möglichkeiten und der im Vergleich zu Rollei, Zeiss und Leica doch geringeren optischen Qualität hat sie bei Sammlern bis jetzt noch keine so große Aufmerksamkeit erfahren.
Auch bei Internetbörsen wie Ebay tauchen Brillant-Kameras immer wieder auf und können zum Teil schon für 10 bis 30 Euro ersteigert werden.

Beachten sollte man bei einem Kauf die Punkte, die bei jeder gebrauchten und älteren Kamera wichtig sind: Alle Gläser sollten frei von Pilzbefall sein und keine Kratzer oder Sprünge aufweisen. Da das Angebot in Sachen Brillant recht gut ist, lohnt es sich allemal, hier nach einem anderen Angebot Ausschau zu halten.
Obwohl die Gehäuse sehr stabil sind, sollten Sie dennoch ein Auge darauf haben, dass sie lichtdicht sind, damit kein Störlicht unschöne Schlieren und Artefakte auf dem Film hinterlässt.
Der Verschluss muss sauber auslösen und darf nicht haken oder schwergängig sein. Leider ist das ein oder andere Exemplar im Laufe der Jahre verharzt und weigert sich, präzise auszulösen. Achten Sie darauf, dass die Verschlusszeiten sauber ablaufen. Hier können Abweichungen böse Folgen für die richtige Belichtung haben.

Nützlicher Link: www.helmuts-fotokiste.de/kameras/hersteller-s-z/voigtlaender/brillant.html

Kameraansichten

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altseiterechts
 
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Brillant 1 rechte Seite.
Das Zählwerk zeigt die schon fotografierten Bilder an.

Brillant 2 rechte Seite.
Im Gegensatz zur Brillant 1 erkennt man bei dieser Ansicht die unterschiedlichen Objektive.

Brillant 3 rechte Seite.
Mit der neuen Rasterung des Zählwerks, dessen Bedienelemente unter dem Gurtbügel und links neben dem Zählwerkfenster liegen, ist ein präzises Vorspule zum nächsten Bild gewährleisten.

althinten  mittehinten neuhinten 
Brillant 1 Rückansicht. I
n dem man die silberne Lasche nach unten zieht, öffnet sich das Gehäuse nach unten und man kann die Rückwand hochklappen, um den Film zu wechslen.
Brillant 2 Rückansicht.
Die auf der Rückwand aufgeklebte Tabelle half beim Finden der Schärfentiefe.

Brillant 3 Rückansicht.
Vergleicht man mit den beiden Bildern links, erkennt man die unterschiedlichen Gehäusematerialien. Die hier gezeigte Brillant 3 besitzt ein Bakelit-Kunststoffgehäuse.

altseitelinks  mitteseitelinks
neuseitelinks 
Brillant 1 linke Seite.
An dem mittigen silbrigen Knopf konnte ein Haltegurt befestigt werden.

Brillant 2 linke Seite.
Man sieht, wie wenig sich die Gehäuse von 1er- und 2er-Version unterscheiden.

Brillant 3 linke Seite.
Gut zu erkennen ist die Klappe, hinter der sich Filter und optischer Belichtungsmesser verbergen. Auch Halterungen für einen Tragegurt und der Anschluss für einen Blitz sind zu erkennen.

 

Kommentare (6)add comment
André: ...
Auf meinen Recherchen zu den Voigtländer Brilliant Modellen komme ich oft an dieser Seite vorbei. Diese Seite ist sehr informativ. Zudem begeistert es mich auch andere Fotografen zu erleben, die experimentell mit den schönen Oldtimern unterwegs sind. Das macht doch das Hobby erst richtig interessant.
Ich fotografierte bisher mit drei Brilliant-Modellen und wurde nie enttäuscht. Hier ein Ergebnis dazu:

http://www.breutel.de/kameras/galerien/g1408.html

Viele Grüße
André Breutel
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November 02, 2011
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Norbert: ...
Da habt ihr euch ja eine irre Arbeit gemacht mit dem Artikel. Wird es denn weitere zu so alten Schtzchen geben?

lg
Norbert
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Juni 24, 2008
Stimmen: +0
Pit: ...
Habe auch noch so das ein oder andere Schtzen im Einsatz und mache damit ab und an Bilder. Die haben wirklich einen tollen Charme.

Pit
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Mai 28, 2008
Stimmen: +0
Mona: ...
sehr geiles kamera, schoener text.
mona
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Mai 27, 2008
Stimmen: +0
Franziska: ...
So eine hatte mein Opa und ich finde die sehr schn. Vielleicht sollte ich die mal suchen auf dem Dachboden.

Franziska
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Mai 26, 2008
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Fränky: ...
Schön, dass ich ich jetzt mein Lob zu diesem Artikel schreiben kann, denn der gefällt mir sehr gut. Das ist mal eine ausführliche Darstellung einer interessanten Kamera.

Fränky
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Mai 26, 2008
Stimmen: +0

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