Bücher, die sich mit der Optimierung der Fotografie beschäftigen, gibt es unendlich viele.
Anders als die meisten derzeitigen Neuerscheinungen werden in diesem Buch die technischen Möglichkeiten der neuen digitalen Welt fast vollständig missachtet. Denn der Autor konzentriert sich auf den wichtigsten Faktor der Bildgestaltung – den Fotografen!

Bilder lesen und gestalten
Ich war zu Beginn ein wenig skeptisch, als ich begann das Buch zu lesen. Der Autor hat seine fotografischen Schwerpunkte in Detailaufnahmen von Landschaften, von Industrieanlagen und von Brückenkonstruktionen. Hinzu kommt, dass seine Bilder ihre Wirkung durch einen abstrakten Charakter erhalten. Dies sind Dinge, die bisher in meinem fotografischen Schaffen nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben.
Beim Lesen des Buches vermittelt der Autor sehr geschickt, wie man ein Bild richtig interpretiert, und man versteht so auch wie die Wirkung eines Bildes entsteht. Er beschreibt auch an vielen Bildbeispielen, wie man Motive findet, und wie man zu einer Bildkomposition kommen kann.
Dabei zeigt er sehr anschaulich, wie die Wirkung eines Bildes sich durch kleine Details vorteilhaft oder auch negativ verändern kann.
Konzepte für das weitere Schaffen
In der zweiten Hälfte des Buches setzt sich George Barr mit Bereichen der Fotografie auseinander, die weniger mit einem direktem Foto zu tun haben, sondern vielmehr helfen, sich weiter zu entwickeln: Wie geht man mit der Enttäuschung um, wenn die eigenen Bildern nicht den eigenen Erwartungen entsprechen? Dabei zeigt er Wege auf, wie man sich selbstkritisch mit seinen Meisterwerken auseinander setzt, um aus seinen Fehlern zu lernen bzw. Fehler zu vermeiden. So bietet das Buch die Möglichkeit einer Bestimmung der eigenen Fertigkeiten und versucht Wege aufzuzeigen wie sowohl das technische als auch das ästhetische Niveau gesteigert werden können.
Dies alles schafft der Autor zu vermitteln ohne in einen besserwisserischen Ton zu fallen. Vielmehr nimmt man ein wenig an der fotografischen Entwicklung und der damit verbundenen Leidensgeschichte des Autors teil. Immer wieder animiert der Autor dazu, selber aktiv zu werden und erteilt Arbeitsaufträge, um einen in spezielle Aspekte der Bildgestaltung und –komposition einzuführen. Auch betont George Barr an vielen Stellen, dass die von ihm entwickelten Ratschläge sich nicht immer und überall anwenden lassen. Zudem sind sie derart gestaltet, dass diese Tipps einerseits offen genug für eigene Kreativität gehalten sind, aber dennoch als Hilfestellung nutzen.
Fazit
Meine anfängliche Skepsis ist einem gewissen „Wow“-Effekt gewichen. Nicht alles, was das Buch vorschlägt sind in Gold gemeißelte Regeln und bei Weiten nicht jedes der vielen abgebildeten Bilder trifft meinen Geschmack. Dennoch hat dieses Buch bei mir eine Menge bewirkt. Es hat mir einen anderen Blickwinkel bei der Betrachtung und Gestaltung von Bildern eröffnet, hat mir neue zusätzliche Motivation bei der Suche und Verwirklichung von Bildideen gegeben und es bietet Arbeitsstoff zur Optimierung der eigenen fotografischen Fähigkeiten für die nächsten Monate. Lediglich zwei kleinere nennenswerte Schwachpunkte hat das Buch. Zum einen ist es für Anfänger definitiv nicht geeignet, da der Autor doch ein Grundwissen über technische Zusammenhänge der Fotografie ebenso voraussetzt wie die Grundlagen des Arbeitens mit einem Bildbearbeitungprogramm. Zum anderen verweist das Buch oft auf bekannte Fotografien verschiedener Fotografen, ohne dass diese Bilder abgebildet sind. Dennoch ist diese Buch eindeutig empfehlenswert!
208 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-89864-543-0
36 Euro (D), 37,10 Euro (A)
dpunkt.verlag
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