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Bildbearbeiter 11 Fragen an: Benjamin Schulz (bstyle.biz)
Geschrieben von Gianfranco La Garda   
Dienstag, 09 Juni 2009

01-ich"11 Fragen an ...", die bekannte Interview Serie auf La Garda gibt es jetzt auch für die Bildbearbeiter. Die Antworten auf die elf immer gleichen Fragen zeichnen ein Bild der Interviewten und ihrer Arbeit. In der ersten Folge stellen wir den Bildbearbeiter Benjamin Schulz (bstyle.biz) aus Bad Mergentheim vor.
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Fangen wir mit den biografischen Dingen an: Erzähl uns doch ein wenig von dir! Alter, Beruf, seit wann machst du Bildbearbeitung, wie bist du dazu gekommen?
Ich bin 28 Jahre alt und habe vor ein paar Monaten mein Studium (Soziologie, Europäische Ethnologie und Politische Wissenschaften) abgeschlossen.02-mein-style
Gestaltung ist im Allgemeinen schon seit Mitte der 1990er Jahre ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben und ich war bis heute in vielen verschiedenen Bereichen, wie z.B. Graffiti-Art und Grafik-Design aktiv. Zur Bildbearbeitung bin ich gekommen als ich selbst noch gar nicht hinter der Kamera stand – ich habe Rohdaten von Shootings meiner damaligen Freundin, die gemodelt hat, für den Webgebrauch optimiert, das war so Mitte 2005.

Wie würdest du deine bisherige Entwicklung bzw. jetzigen Stil beschreiben? 
Von diesen Optimierungen ging ich sehr schnell zu aufwändigeren Dingen über, hab „Mehrfachbelichtungen“ aus Einzelbildern erstellt und dann kamen auch schon recht schnell die ersten Composing-Versuche und vor allem viele Experimente. Was ich heute am liebsten mache, sind eben Composings und meinen jetzigen Stil würde ich als realistischen Surrealismus (wenn das auch doof klingt) (lacht) beschreiben.

Mit welcher Hard- und Software arbeitest du und warum?
Ich habe lange mit Adobe Photoshop 6.0 gearbeitet und das hat mir auch lange völlig ausgereicht. In den letzten Tagen meines Studiums hab ich mir dann doch noch die Studenten-Version von CS4 Design Edition gekauft.
Ich arbeite ausschließlich am Notebook, weil ich viel unterwegs bin und da flexibel sein muss (und mir auch keinen zweiten PC leisten könnte). Welche Systemkonfiguration der genau hat, kann ich so aus dem Steggreif gar nicht sagen, Hauptsache, da kommen schöne Bildchen und lustige Lieder raus (grinst).

03-mein-liebstes-bildWas beeinflusst dich bei deinen Arbeiten bzw. hast du einen anderen Bildbearbeiter als Vorbild?
Am wichtigsten ist wie eben schon angedeutet die Musik für mich, die während dem Bearbeiten läuft. Ohne Musik geht bei mir gar nichts! Ansonsten vielleicht die Tatsache, dass sich meine Nebenjobs während Schulzeit und Studium immer im Multimedia-Bereich abgespielt haben und meine langjährigen Erfahrungen in der Graffiti-Szene.
Einen anderen Bildbearbeiter habe ich nicht als Vorbild. Es gibt jede Menge gute Leute, die ich schätze, aber ich habe nie zu einem anderen Stil aufgeschaut oder etwas in der Art– so hat die eigene Entwicklung vielleicht länger gedauert, aber so konnte ich auch einen eigenständigen und flexiblen Stil entwickeln.

Wie hast du dein Handwerk gelernt und was würdest du Anfängern als Tipp mit auf den Weg geben?
Vollkommen autodidaktisch und experimentell. Ich habe nichts gegen Tutorials, Workshops oder guter Literatur, bei mir war es aber zu 95 % das reine Ausprobieren und manchmal war auch ein „happy accident“ dabei, wie Bob Ross es formulieren würde (grinst). Es geht nicht nur darum, dass man lernt, die Software zu beherrschen, denn das ist nur die Werkzeugkiste, derer man sich bedient, um seine Ideen umzusetzen. Viel wichtiger ist, dass man zum Beispiel das menschliche Sehen verstehen lernt, welche Prozesse dabei im Gehirn ablaufen und sich diese Muster bei der Bildbearbeitung zu Nutzen macht (das ist ganz wichtig, wenn es zum Beispiel um die reine Optimierung eines Bildes geht). Den besten Tipp, den man Anfängern wohl mit auf den Weg geben kann ist: „Habe Spaß an der Sache und probiere dich selbst aus!“ und dann: „Üben, üben, üben!“

Welches ist deine eigene Lieblingsarbeit und warum?
„Poison Ivy“ (Model: Virginia Burkard, Fotograf: Tom Ahrens) – da die Vorstellungen des Models im ersten Moment als unlösbar erschienen und ich dann am Ende selbst total positiv 04überrascht war. Es ist halt einfach ein Bild, was ich mir immer wieder anschauen könnte – vor allem aber auch natürlich, wenn die eigene Freundin da drauf zu sehen ist (lacht).

Was hältst du von der Aussage, dass durch Bildbearbeitung der Wahrheitsgehalt von Bildern verloren gehen kann, zum einen inhaltlich, zum anderen aber auch ästhetisch?
Jedes kreativ-schöpferische Medium bietet Interpretationsspielräume, das war schon immer so - egal ob es um Lyrik, Musik oder um ein Bild geht und betrifft sowohl den Macher selbst, als auch die Rezipienten. Schwierig wird es nur beispielsweise im Journalismus, wenn etwas als Wahrheit verkauft wird, was dem gar nicht entspricht. Und dazu braucht es keine aufwändige Bildbearbeitung, eine bewusst falsch gesetzte Bildunterschrift reicht da schon vollkommen aus – oder auch, wenn ein Model auf Grund ihrer reinen Haut für einen wichtigen Auftrag gebucht wird und vor Ort stellt sich erst heraus, dass fast ausschließlich der Bildbearbeiter für deren makelloses Gesicht verantwortlich war.

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Wie lange benötigst du für eine Bildbearbeitung in deinem typischen Stil?
Was die Composings betrifft zwischen 3 und 5 Stunden – manchmal muss man auch mal eine Nacht einen Zwischenstand überschlafen oder man lässt ein Bild ein paar Tage ruhen oder es dauert überhaupt erst Wochen, bis man sich ran wagt, dann aber mit der nötigen Inspiration und der Gewissheit, dass es gelingen wird. 

Wie stehst du im Allgemeinen zum Thema Pay oder TFP, was die Nachbearbeitung von Bildern betrifft?
Der schönste Lohn ist es natürlich, wenn dem Model oder dem Fotografen das Ergebnis gefällt oder der Betrachter nicht erkennt, dass es sich um ein Composing handelt und dann überrascht ist, wenn er das Original sieht. Im Allgemeinen finde ich aber, wird die Arbeit viel zu wenig honoriert (und das 05meine ich jetzt nicht finanziell!) – man sieht ja auch nur selten als Laie, wie viel Zeitaufwand und Kreativität da dahintersteckt. Da ich gerade zwischen Studium und Festanstellung stehe, habe ich mich als Bildbearbeiter in dieser „Überbrückungszeit“ selbständig gemacht und bin froh, dass ich mir so ein paar Euro zu meinen Aushilfsjob dazuverdienen kann. Doch der Spaß sollte auf keinen Fall dabei auf der Strecke bleiben und man sollte seine Seele dabei auch nicht verkaufen. Also nicht jeden Auftrag um jeden Preis annehmen.

Wie kommst du an Bildmaterial für Composings? Fotografierst du dazu auch selber?
Da ich ja auch als Fotograf aktiv bin und sowieso meine eigenen Rohdaten am liebsten bearbeite, habe ich mir angewöhnt, bei interessanten Locations gleich noch Bildmaterial für spätere Composings mit zu fotografieren, so ist schon eine kleine aber feine Sammlung entstanden und man steht auch rechtlich auf der sicheren Seite. Außerdem gibt es einige Texturen-Archive, die sehr nützlich sein können. Zusätzlich hat man auch seine Tauschpartner, entweder andere Fotografen und Bildbearbeiter oder auch Freunde und Verwandte.

Was ist dein Wunsch oder Traum für deine Arbeit als Bildbearbeiter?
Mich beruflich in diesem Umfeld etablieren zu können, also wirklich davon leben zu können und mich immer weiter zu entwickeln in der Zukunft!

Mehr Infos unter www.model-kartei.de/sedcard/bildbearbeiter/7571/

Kommentare (4)add comment
Klaus-Dieter Lehmann: meine Bewunderung
Ein sehr guter Beitrag und deine Arbeiten überzeugen mich. Leider mache ich zu viele Shootings, so das beimir die Bearbeitung zu kurz kommt und im oberflächlichen Bereich bleibt.Ich wünsche auch weiterhin viel Spaß und Freude.

Mäcki
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Juli 06, 2010
Stimmen: +0
Erle: Der Typ ist echt nett und echt gut
Bin von sowohl von Bennys Arbeiten als auch von Bennys Persönlichkeit echt begeistert. Er hat schon einige Sachen für mich gemacht und absolut nach meinen Vorstellungen abgeliefert. Er ist ein netter Kerl und ich hoffe, das ich mal mit ihm zusammen arbeiten werde.

MfG
Erle
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Juni 12, 2009
Stimmen: +1
foto-berni: Perfekte Bildbearbeitung
Benny ist ein hervorragender Bildbearbeiter der mit sehr viel Krativität, aber auch einem gewissen Realismus, seine Bilder bearbeitet. Vor allem die kleinen Details machen den Unterschied und lassen erkennen, wer sich mit dem Thema auskennt. Die besten Beispiele werden hier gezeigt.
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Juni 10, 2009
Stimmen: +2
WolfTek: Lust und Last der Bildbearbeiter
Den Arbeiten von Benny sieht man IMMER an, dass sie mit viel Fantasie, mit Liebe zum Detail und mit technischer Perfektion entstanden sind.
Da es immer noch puristische Fotografen gibt, die bereits das Geraderücken eines schiefen Horizonts als (unzulässige) Bildmanipulation verstehen, tut es sehr gut zu sehen, wie manche Bildbearbeitungen die Grenze zur Kunst mühelos überspringen - wie bei den Bildern des hier Vorgestellten.
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Juni 09, 2009
Stimmen: +3

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