La Garda - Fotografie • Models • Make-up
La Garda

   
Praxis: Workshop Haut abpudern
Geschrieben von Martin Zurmühle   
Sonntag, 18 Januar 2009

aufmacher

In der klassischen Aktfotografie benötigen Sie sehr wenig Make-up. Meistens werden die Bilder in Schwarzweiß gezeigt, so dass ein einfaches und zurückhaltendes Make-up genügt.
trennlinie

Die meisten Models können das auch selber machen. Dagegen brauchen Sie bei Aktporträts und vor allem bei Erotikaufnahmen oft die Hilfe eines professionellen Visagisten. Zusätzlich können Sie mit Photoshop kleinere Makel und Unreinheiten der Haut beheben.

Im Beautybereich gehen heute diese »Verschönerungsmaßnahmen « sehr weit – oft so weit, dass die Natürlichkeit des Models kaum noch zu erkennen ist. Alle Fehler und Makel werden behoben, das Augenweiß wird stark aufgehellt, die Iris mit einer Gradationskurve kontrastreich gemacht und die Hautporen werden vollständig geglättet. Zusätzlich werden die Konturen des Gesichts und die Form der Nase verändert: Mit Aufhellen und Abdunkeln (dodge and burn) wird dem Gesicht ein stärkerer Ausdruck gegeben. Auch Lippen und Augen werden digital betont und gefärbt.
So weit brauchen Sie in der Aktfotografie allerdings nicht zu gehen. Schon mit einer leichten Weichzeichnung der Haut können Sie schöne Effekte erzielen. Leider werden dabei aber die Kanten oft unschön verändert. Ich zeige Ihnen deshalb hier eine gute Methode, wie Sie die Haut des Models ganz gezielt und fein pudern können, ohne die Porenstrukturen vollständig zu überdecken. Ich habe das Verfahren bei Calvin Hollywood (www.calvinhollywood.de) in einem Kurs für Beauty-Retuschen gelernt. Es eignet sich sehr gut auch für leichte Haut- und Gesichtskorrekturen bei Aktaufnahmen. Zudem sehen Sie an diesem Beispiel, welche tolle Effekte Sie mit der Kombination von Ebenen, Masken und Füllmethoden in Photoshop erzielen können.

1 Bild reinigen

1Zu Beginn korrigieren Sie größere Unreinheiten bei der Haut des Models. Dazu eignet sich das Ausbessern-Werkzeug 1 eventuell in Kombination mit dem Kopierstempel- Werkzeug 2 am besten. Korrigieren Sie aber nur größere störende Elemente, wie starke Falten, Pickel oder Hautflecken. Entfernen Sie hier auch eventuelle Staubflecken auf dem Sensor oder andere störende Elemente im Bild. Bei diesem durch eine erfahrene Visagistin gut geschminkten Model musste ich nur wenige kleinere Korrekturen mit dem Ausbessern- Werkzeug durchführen. Das harte Licht betont aber die Hautfalten und -poren sowie die Sommersprossen des Models sehr stark.

 

 

 

 

 

 

 

2 Neue Ebene erstellen und scharfzeichnen

2Nach der Reinigung kopieren Sie die Hintergrundebene (indem Sie sie zum Beispiel auf das Symbol für Neue Ebene erstellen 3 in der Ebenenpalette ziehen) und führen mit dem Befehl Filter • Scharfzeichnungsfilter • Unscharf maskieren eine leichte Scharfzeichnung durch (Stärke »200 %«, Radius »0,9«, Schwellenwert »8 Stufen«). Anschließend kopieren Sie auch diese Ebene nochmals.













 

3 Smart Objekt erzeugen

3Mit dem Befehl Bild • Anpassungen • Umkehren (oder (Strg)+(I)) kehren Sie das Bild um und wechseln die Füllmethode auf Strahlendes Licht. Der Durchschnittswert der Helligkeit eines Bildpixels und dessen Umkehrwertes liegt bei circa 128, dadurch sehen Sie bei dieser Füllmethode nun ein weitgehend mittelgraues Bild mit einigen leuchtenden Konturen bei den Haaren und dem Dessous. Mit dem Befehl Ebene • Smart Objekte • In Smart Objekt konvertieren wandeln Sie nun diese Ebene in ein Smart Objekt um. Dadurch können Sie die folgenden Filterbefehle jederzeit wieder korrigieren.





4 Weichzeichnen

4Zuerst zeichnen Sie diese Smart-Objekt-Ebene mit dem Filter • Weichzeichnungsfilter • Gaussscher Weichzeichner weich. Nehmen Sie beim Radius einen kleinen Wert (zum Beispiel »2,0 Pixel«). Durch die Weichzeichnung der oberen Ebene beträgt nun der Durchschnitt beider Ebenen an den weichgezeichneten Kanten nicht mehr genau 128, so dass diese Kanten im Bild als feine Linien sichtbar werden. Achten Sie bei der Wahl der Radiusgröße darauf, dass im Vorschaufenster die Hautporen noch sichtbar bleiben.

 

 

 

 

 

 

5 Hochpassfilter anwenden

5Wenden Sie als nächstes den Filter • Sonstige Filter • Hochpass auf das gleiche Smart Objekt an. Dieser Filter erhält die Kantendetails, in denen deutliche Farbübergänge vorkommen, und unterdrückt den Rest des Bildes (bei einem Radius von »0,1 Pixel« bleiben nur die Kantenpixel übrig). Die Wirkung dieses Filters ist der des Gaussschen Weichzeichners genau entgegengesetzt. Mit dem Hochpassfilter mit kleinem Radius und der Füllmethode Ineinanderkopieren, Weiches Licht oder Hartes Licht können Sie auch ein Bild gezielt schärfen. In unserem Beispiel wenden wir diesen Filter mit einem etwas größeren Radius von »15 Pixeln« an. Achten Sie im Vorschaufenster darauf, dass die Hautstrukturen noch gut aussehen.
Das Gesicht wird nun sehr weich und puppenhaft wiedergegeben. Zum Abschluss legen wir noch zur Smart-Objekt-Ebene mit dem Befehl Ebene • Ebenenmaske • Alles ausblenden eine leere schwarze Maske an. Der Effekt des Smart Objekts wird dadurch ausgeschaltet.


6 Haut abpudern

Mit einem weißen, mittelweichen Pinsel 4 malen Sie nun direkt auf das Bild (bei aktivierter Maske des Smart Objekts).6a Wählen Sie Pinsel etwas größer als die zu bearbeitenden Bereiche. Reduzieren Sie die Deckkraft 5 des Pinsels auf circa 40 %. Dadurch wird die Wirkung des Effektes reduziert und lässt sich feiner steuern. 6bBeim Dekolleté erhöhen Sie die Deckkraft etwas. Sie pudern nun digital das Gesicht, lassen aber Augen, Haare, Mund und Ohren aus. Bei der Nase pudern wir nur den Nasenrücken.

6

Haben Sie zu stark gepudert, so korrigieren Sie die Wirkung mit einem schwarzen Pinsel. Zu Beginn werden Sie am Bildschirm kaum eine Wirkung erkennen. Erst wenn Sie die Smart-Objekt-Ebene mit dem Symbol Auge ein- und ausschalten, wird die Wirkung erkennbar. Zum Schluss reduzieren Sie noch die Deckkraft der Smart-Objekt-Ebene, bis der Effekt natürlich aussieht (zum Beispiel auf 60 %). Die Hautstrukturen beim Model bleiben noch sichtbar, aber unschöne Stellen verschwinden.

 

 

 

 

 

 

 7 Augen und Lippen strahlen lassen

7

Nun sieht unser Porträtbild schon sehr ansprechend aus. Sie können jetzt noch die Leuchtkraft der Augen verstärken, indem Sie das Augen- und Zahnweiß mit einer Tonwertkorrektur (rechter Schieber auf 230) leicht aufhellen und die Iris mit einer Gradationskurve (starke S-Kurve mit Erhöhung der Mittelwerte) heller und kontrastreicher zeigen. Auch das Rot der Lippen verstärken Sie mit einer Erhöhung der Sättigung auf »+5«. Erstellen Sie dazu vorher jeweils eine möglichst präzise Auswahl, die Sie anschließend als Maske der Einstellungsebene noch mit Radius »2–3 Pixel« weichzeichnen. Dadurch werden die Übergänge zwischen den bearbeiteten und unbearbeiteten Bereichen unsichtbar.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 8 Schlusskorrekturen

Zum Schluss wenden Sie noch die bekannten Befehle der Grundbearbeitung (Tonwertkorrektur, Gradationskurve und Farbton/Sättigung) auf das ganze Bild an, so dass es kontrastreicher wird. Bei Bedarf machen Sie dann noch lokale Anpassungen. Fertig ist das Traumporträt!

 

Wollen Sie mehr über dieses und andere Themen im Bereich der Aktfotografie erfahren, dann können wir Ihnen Martin Zurmühlens Buch Digitale Fotopraxis: Aktfotografie empfehlen, das im Galileo Design Verlag erschienen ist.

   

coverDigitale Fotopraxis: Aktfotografie Inklusive Nachbearbeitung in Photoshop
Martin Zurmühle

Galileo Design
376 S., 2008, geb., komplett in Farbe, mit DVD
49,90 Euro, ISBN 978-3-8362-1120-8

Kommentare (0)add comment

Kommentar schreiben
kleiner | groesser

security image
Bitte den folgenden Code eintragen


busy