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Praxis Low Key und High Key
Geschrieben von Martin Zurmühle   
Montag, 12 Januar 2009

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Das Low-Key-Licht ist das klassische Licht der Aktfotografie. Das Spiel mit Licht und Schatten hat die Fotografen schon immer fasziniert:
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mit Licht enthüllen, mit Schatten verdecken, den Körper plastisch aus dem Schatten herausschälen und formal gestalten – immer auf der Suche nach der schönen Form und dem besonderen Ausdruck eines Models. So macht die Aktfotografie Spaß, die Bilder wirken edel und kunstvoll und begeistern auch die Models.
Das High-Key-Licht strebt hingegen eine ganz andere Bildwirkung an. Hier geht es um Zartheit und Leichtigkeit und um sanfte, fast unmerkliche Übergänge. High-Key- Aufnahmen sind wesentlich schwieriger zu realisieren, brauchen sehr viel Licht und ein gezieltes Lichtmanagement.
Trotzdem können Sie schon mit drei Blitzgeräten perfekte High-Key-Aufnahmen realisieren.

Low-Key mit einem Blitz

Low Key bedeutet, dass sich die überwiegende Zahl der Tonwerte im dunklen Bereich, bei den Tiefen, befindet. Low Key bedeutet nicht, dass das Bild einfach unterbelichtet wird. Die Tonwerte dürfen durchaus im ganzen Spektrum, von Schwarz bis Weiß (oder von 0 bis 255 im Histogramm), im Bild vorhanden sein. Gerade die kleinen hellen Bereiche geben dem Bild die besondere Spannung.
Low-Key-Aufnahmen sind technisch einfach zu realisieren.

Sie benötigen dazu einen dunklen Raum. Mit einer schwarzen Decke, einem schwarzen Hintergrundkarton und einigen Lichtschluckern haben Sie perfekte Voraussetzungen für gute Low-Key-Aufnahmen. Nun können Sie mit einem Striplight eine klassische Streiflichtsituation bilden, die schon sehr spannende Aufnahmen ermöglicht.

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Low Key mit einem Striplight

Durch das Streiflicht werden die Hüfte und die Seite des Models stark betont. Der Blick geht diagonal in den freien Raum. Der im Schatten liegende Bereich des Körpers trägt nichts zum Bild bei und wird deshalb knapp abgeschnitten. Das Bild wirkt vor allem durch die Bogenformen der Hüfte und des Armes und den starken Helldunkel-Kontrast.

78 mm | f8 | 1/180 sek | ISO 100 | Studioblitz mit Striplight | Model Anuschka

Die Pose des Models sollte einen klaren Bezug zum Licht aufnehmen. Eine Seite des Körpers verschwindet vollständig im Schatten, der andere wird durch das Licht betont. Das Gesicht des Models ist deshalb in der Regel zum Licht hin orientiert. Bei der Festlegung des Bildausschnittes geben Sie dem Blick des Models genügend Raum. Die im Dunkeln liegende Körperhälfte können Sie auch problemlos auslassen. Solche Bilder leben zum größten Teil durch die Formen und die Platzierung der Elemente im Bild.

Low-Key mit zwei Blitzen

Setzen Sie auf der gegenüberliegenden Seite ein zweites Striplight ein, so erhalten Sie ein klassisches Zangenlicht. Es empfiehlt sich dabei, die eine Lichtquelle als Hauptlicht ein bis zwei Blendenstufen stärker als das zweite Licht einzustellen. Das erzeugt eine spannendere Lichtstimmung. Mit dem Einsatz von Reflektoren und Lichtschluckern können Sie die Stärke der Schattenwirkung auf dem Körper steuern. Bei der Pose des Models sollten Sie darauf achten, dass sich das Gesicht in Richtung einer der beiden Lichtquellen orientiert.

Schaut das Model direkt in die Kamera (was bei klassischen Aktaufnahmen sowieso eher selten ist), so wird es sehr dunkel wiedergegeben. Hier benötigt das Model klare Anweisungen von Ihnen, wie die Pose zu gestalten ist, denn es sieht ja die Lichtwirkung auf dem eigenen Körper nicht. Beobachten Sie deshalb genau, wie schon kleine Veränderungen der Position die Licht- und Schattenwirkung beeinflussen, und wählen Sie die wirkungsvollsten Stellungen aus.

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Low Key mit zwei Striplights Das Zangenlicht modelliert den Körper des Models und erzeugt eine spannende Lichtwirkung. Die rechte Seite wird noch leicht mit Reflektoren aufgehellt. Das Gesicht orientiert sich auf die hellere Seite, und die klassische S-Form der Pose unterstreicht die schöne Bildgestaltung.

93 mm | f8 | 1/250 sek | ISO 100 | Studioblitz mit zwei Striplights | Model Anuschka

Das Histogramm dieser Aufnahme zeigt eine typische Verteilung der Tonwerte bei Low-Key-Aufnahmen. Der Mittelwert liegt bei 42,5 (Schwarz = 0, Weiß = 255). Die meisten Tonwerte liegen in den Tiefen mit kleineren Bereichen in den Lichtern. Bei dieser Aufnahme wird das ganze Tonwertspektrum ausgenutzt.

Das Zangenlicht eignet sich nicht nur sehr gut für Ganzkörperaufnahmen und Halbakte, auch Körperdetails können so sehr schön aufgenommen werden. Und manchmal entdecken Sie während des Shootings plötzlich einen besonders schönen Ausschnitt. Zögern Sie dann nicht und machen Sie davon eine Detailaufnahme. 

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Low Key mit zwei Striplights
Das Zangenlicht modelliert den Körper des Models und erzeugt eine spannende Lichtwirkung. Die rechte Seite wird noch leicht mit Reflektoren aufgehellt. Das Gesicht orientiert sich auf die hellere Seite, und die klassische S-Form der Pose unterstreicht die schöne Bildgestaltung.

93 mm | f8 | 1/250 sek | ISO 100 | Studioblitz mit zwei Striplights | Model Anuschka

 

 

Hintergrund Low-Key

Weniger ist bei Low-Key-Aufnahmen mehr. Durch einen sparsamen Umgang mit dem Licht und der Zahl der Blitzgeräte erhalten die Bilder eine große visuelle Kraft und durch die starke Licht- und Schattenwirkung eine dreidimensionale Wirkung. Low-Key-Aufnahmen wirken immer sehr grafisch, und mit klaren, einfachen Formen erzielen Sie die stärkste Wirkung. Aufgrund der Betonung der Grafik werden Low-Key-Aufnahmen mehrheitlich in Schwarzweiß gezeigt.

High-Key ohne Überstrahlung

Bei den High-Key-Aufnahmen bewegen wir uns in einer ganz anderen Welt.
Hier setzen wir sehr viel Licht ein, um eine helle und leichte Bildwirkung zu erhalten. High Key heißt aber nicht, dass die Bilder einfach überbelichtet und überstrahlt sind. Ziel ist es, die Tonwerte in den Lichtern zu erhalten und mit wenigen dunklen Elementen einen besonderen Blickpunkt zu gestalten. Wollen Sie eine sehr helle Bildwirkung erzielen, so müssen die größten Bereiche des Bildes helle Oberflächen haben. Ein weißer Hintergrundkarton und helle Stoffe sind dazu natürlich ideal.

Das Model sollte zudem eine nicht zu dunkle Haut haben, damit diese durch das starke Licht einen noch helleren Ton erhält. Für High- Key-Aufnahmen eignen sich vor allem sehr große Softboxen, die das Motiv gleichmäßig ausleuchten. Mit Standardreflektoren können Sie indirekt über die weißen
Wände des Studios oder über große Reflektoren eine gleichmäßige Grundhelligkeit im Raum erzeugen.

High Key ohne Überstrahlung

Das Model liegt auf einem weißen Rückwandkarton, auf dem ein Moskitonetz ausgelegt ist. Ein feines weißes Tuch bedeckt ihr linkes Bein und fließt über ihre Hüften. Durch eine leichte Weichzeichnung wird die verträumte Bildstimmung verstärkt. Die dunklen Haare bilden einen starken Blickpunkt und rahmen das Gesicht ein.

45 mm | f16 | 1/180 sek | ISO 100 | Studioblitz | Model Anuschka

 

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Auch bei High-Key-Aufnahmen spielt die Pose und die Form eine wichtige Rolle. Die Schönheit und Anmut des Models wird durch die helle und leichte Lichtstimmung betont. Mit dunklen Elementen kann ein Kontrapunkt gesetzt werden, der dem Bild mehr Spannung gibt. Das Histogramm der Aufnahme unten rechts zeigt eine typische Verteilung der Tonwerte bei High- Key-Aufnahmen.

Der Mittelwert liegt mit rund 200 klar im Bereich der Lichter. Das ganze Tonwertspektrum wird bei dieser Aufnahme ausgenutzt, ohne dass es zu Überstrahlungen  kommt. Sowohl im linken (bei den Tiefen) als auch im rechten Bereich des Histogramms (bei den Lichtern) gehen die Werte wieder auf 0 zurück.

High-Key mit Überstrahlung

Bei Modeaufnahmen für Zeitschriften muss das Model häufig freigestellt werden. Das geht am einfachsten, wenn die Aufnahme vor einer weißen Rückwand gemacht wird. Wenn die Rückwand mindestens zwei Blendenstufen mehr Licht bekommt als das Model, so wird sie vollständig reinweiß (und somit überstrahlt) abgebildet. Das Model lässt sich dann ganz einfach in der Bildbearbeitung freistellen. Solche Aufnahmen sind gar nicht so einfach wie es den Anschein hat.

Das erste Problem ist die gleichmäßige Ausleuchtung der Rückwand. Diese sollte gerade so hell sein, dass alles reinweiß gezeigt wird, aber doch nicht zu hell, damit die Bildqualität nicht durch das von der weißen Rückwand abgestrahlte Licht beeinträchtigt wird. Da eine Vorsatzlinse vor dem Objektiv bei Gegenlichtaufnahmen häufig zu leichter Schleierbildung neigt, sollten Sie sie bei solchen High-Key-Aufnahmen entfernen. Ein zweites Grundproblem liegt beim Model: Die starke Rückstrahlung der Rückwand führt beim Model häufig zu Überstrahlungen. Mit Lichtschluckern auf beiden Seiten können Sie das verhindern.

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Reinweißer Hintergrund
Durch viel Licht auf dem Hintergrund und Lichtschluckern auf beiden Seiten wird der Hintergrund überstrahlt und das Model wird vor der Überstrahlung geschützt. Das Model kann vollständig getrennt nach Bedarf ausgeleuchtet werden. Durch die Lichtschlucker wird auch sichergestellt, dass das durchscheinende blaue Tuch nicht ganz überstrahlt wird. Der sichtbare Bereich am Boden gibt dem Bild einen Halt. Wäre der Boden auch überstrahlt, so würde das Bild unnatürlich wirken.
67 mm | f19 | 1/250 sek | ISO 100 | Studioblitz | Model Lynn

 

 

 

Dadurch trennen Sie die Beleuchtung des Models von der Beleuchtung der Rückwand. Nun können Sie beide Bereiche separat einstellen. Messen Sie zuerst das Licht bei der Rückwand (beide seitlichen Blitzlichter auf maximaler Leistung) und stellen Sie dann das Blitzlicht beim Model so ein, dass die Belichtung circa zwei Blenden darunter liegt. Für eine möglichst gleichmäßige Ausleuchtung der Rückwand eignen sich hohe Striplights und Schirme am besten.

Es geht aber auch mit Standardreflektoren, allerdings sind die Lichtkegel dann nicht mehr so gleichmäßig, so dass die Rückstrahlung stärker wird. Die Qualität der Ausleuchtung können Sie am Display der Kamera gut überprüfen. Bei solchen High-Key-Bildern sieht das Histogramm etwas anders aus. Auch hier liegt der Mittelwert (213) klar in den Lichtern. Allerdings sinkt das Histogramm auf der rechten Seite nicht gegen 0 ab, sondern steigt im Gegenteil stark an.

Sie erkennen solche überstrahlen Bereiche auch gut auf Ihrem Kameradisplay gleich nach der Aufnahme. Stellen Sie Ihre Kamera so ein, dass solche Bereiche im Bild blinken. Dann können Sie die Wirkung der Lichtsteuerung und der Belichtungseinstellung schon am Kameradisplay genau beurteilen.


Hintergrund High-Key

Viel Licht und helle Oberflächen werden bei High-Key-Aufnahmen eingesetzt. Es wird eine gleichmäßige
Ausleuchtung des Motivs angestrebt, mit wenigen dunklen Kontrapunkten. High-Key-Aufnahmen wirken weniger durch die Grafik als durch die luftige und leichte Bildstimmung. High-Key-Aufnahmen werden sowohl in Schwarzweiß (mit feinen Grauwerten) und in Farbe (mit einer zarten anmutigen Bildstimmung) gezeigt.

 

Wollen Sie mehr über dieses und andere Themen im Bereich der Aktfotografie erfahren, dann können wir Ihnen Martin Zurmühlens Buch Digitale Fotopraxis: Aktfotografie empfehlen, das im Galileo Design Verlag erschienen ist.

   

coverDigitale Fotopraxis: Aktfotografie Inklusive Nachbearbeitung in Photoshop
Martin Zurmühle

Galileo Design
376 S., 2008, geb., komplett in Farbe, mit DVD
49,90 Euro, ISBN 978-3-8362-1120-8

Kommentare (1)add comment
fotoday.ch: Vielen Dank
Hallo Martin

Vielen Dank für die ausführliche Anleitung.

Gruss, Vincenzo

http://www.fotoday.ch
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Juni 03, 2010
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