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Praxis Konzertfotografie Teil 2
Geschrieben von Robert Kneschke   
Mittwoch, 11 Oktober 2006
zoeaufmacherIm zweiten Teil des Praxisartikels zum Thema Konzertfotografie geht es ans Eingemachte und Autor Robert Kneschke erklärt, was Sie beim Schießen guter Konzertfotos alles bedenken sollten.
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Das Fotografieren

Beim mitzunehmenden Zubehör ist kein Blitz angegeben, weil der meist nicht benutzt werden darf und auch sollte, um die Farbstimmung des Konzertes zu erhalten. Bei zu viel Blitz wirken die Fotos eher wie aus dem Probekeller und deshalb sollte er – wenn überhaupt – nur als Aufhellblitz genutzt werden. Außerdem stört das Blitzen die Band extrem.
Notfalls kann bei einer eher niedrigen und weißen Decke indirekt gegen die Decke geblitzt werden, das erhält die Lichtstimmung und stört nicht so sehr.

Hohe ISO-Werte sind bei Fotos ohne Blitz Bedingung, unter ISO 800 geht nichts, viele fotografieren auch mit ISO 1600. Hier kommt der Vorteil der Vollformatsensor-Kameras (z.B. Canon 5D) zum Tragen, da die Fotos bei diesen Werten weniger Rauschen enthalten als den, die mit einer Kamera mit kleinerem Sensor gemacht wurden. Da also häufig nur das Scheinwerferlicht der Bühne als Lichtquelle zur Verfügung steht, kommt es häufig zu Farbstichen in der Farbe des dominierenden Scheinwerfers, was aber meist ein gewünschter Effekt bei Konzertfotos ist. Blaues oder grünes Licht führt nicht so schnell zu Überbelichtung, das in dieser Hinsicht schwierige rote Licht lässt menschliche Haut zarter erscheinen und wirkt dynamischer, aggressiver. Grünes Licht lässt im Gegensatz die Haut eher kran03_14_junior_kelly_02k aussehen.

Wer im RAW-Modus fotografieren kann, sollte das machen und je nach verfügbarem Licht sogar mit einer Blende unterbelichten. So sind die Verschlusszeiten kürzer und bei der RAW-Konvertierung kann von einem unterbelichten Foto meist mehr „gerettet“ werden als bei einem überbelichteten, auch wenn dadurch das Bildrauschen deutlich sichtbarer wird..

Damit die Musiker auch in Bewegung scharf abgebildet werden, sollte mindestens eine Belichtungszeit von 1/60 angepeilt werden, besser noch 1/100 oder mehr. Manchmal kann aber auch eine Bewegungsunschärfe bei z.B. 1/30 reizvoll sein, das erfordert aber mehr Übung. Wer ein Stativ, am besten ein Einbeinstativ, benutzt, kann auch bei etwas längeren Verschlusszeiten noch mit scharfen Bildern rechnen.
Wenn sich die Musiker rhythmisch auf und ab oder von links nach rechts bewegen, am besten die Bewegung mitmachen und die Kamera mitziehen. Das Prinzip ist ja aus der Sportfotografie (Rad-/Autorennen) bekannt.

Manchmal kann es wegen der relativen Dunkelheit zu Problemen mit dem Autofokus (AF) kommen, weil er den Schärfepunkt nicht findet. Dann ist es gut, den manuellen Fokus im Schlaf zu beherrschen. Zur Not hilft auch das AF-Hilfslicht des (ausgeschalteten) externen Blitzes. Oder es kann in Ruhe z.B. auf eine Stelle hinter dem Mikrofon scharf gestellt werden, dann wird der AF ausgeschaltet und solange die Position von Fotograf und Sänger nicht verändert wird, werden die Bilder scharf.
Bei Portraitaufnahmen der Musiker ist eine Selektiv- oder Spotmessung des Lichts vorteilhaft, damit das Scheinwerferlicht nicht den Helligkeitsmesser der Kamera durcheinander bringt. Bei Aufnahmen der gesamten Band ist eher die mittenbetonte Messung zu empfehlen.

Die Serienbildfunktion der modernen Kameras ist nicht zu unterschätzen und sollte ausgiebig genutzt werden. Das Einfangen wirklich grandioser Gesichtsausdrücke wird so sehr vereinfacht, weil es eben sehr wahrscheinlich ist, dass in einer Serie von 4 oder 5 Bildern eines dabei ist, wo der Gesichtsausdruck gut eingefangen wurde.

Für ein Konzert reichen meist zwei bis vier GB-Speicherkarten, bei Festivals sollte auf jeden Fall ein Laptop oder eine mobile Festplatte mitgenommen werden. Lieber die Bilder zu Hause aussortieren als es auf dem kleinen Kameramonitor entscheiden zu müssen, ob die Bilder wirklich scharf sind oder nicht.

Motivwahl

Natürlich gibt es keine Gesetze, an die Sie sich halten müssen. Ich empfehle immer, zu schauen und daraus zu lernen. Lesen Sie regelmäßig Musikmagazine und betrachten Sie die Fotos darin. Die üblichen Gestaltungsregeln der Fotografie (Diagonalen, goldener Schnitt, Hintergrund beachten, Anschnitt, etc.) gelten auch bei der Konzertfotografie. 19_tryo_robert_kneschke
Rein zeitlich haben sich die Refrains eines Songs als sehr gut zum Fotografieren erwiesen, weil sich da die Bewegungsabläufe eher wiederholen und man so besser abschätzen kann, was die Musiker als nächstes machen. Da die meisten Gitarristen Rechtshänder sind, ist es besser, links vom Gitarristen zu stehen, damit die Gitarre nicht von hinten zu sehen ist. Ähnliches gilt für den Sänger, der meist mit der rechten Hand das Mikrofon anfasst und somit bei Fotos von rechts, der Arm das Gesicht verdecken kann.
Und wie überall gilt auch bei der Konzertfotografie: Üben, üben, üben.

Publikum und Details nicht vergessen

Denken Sie daran, die Atmosphäre eines Konzerts einzufangen. Sei es der Fuß auf dem Verzerrer (Effektgerät eines Gitarristen, das meistens vor ihm auf dem Boden steht), die Hand am Gitarrengriff oder am Mikrofon. Manchmal ergibt auch der Auf- oder Abbau stimmungsvolle Bilder, vor allem, wenn die Band das noch selbst macht. Der Schlagzeuger sollte besonders beachtet werden, weil es von ihm meist am wenigsten Bilder gibt und er durch seine Position hinter Becken und Trommeln und das wenige Licht schwieriger zu fotografieren ist.

Rechtliches

Wer Menschen fotografiert, muss bei der Veröffentlichung einige Regeln beachten, da jeder Mensch sein „Recht am eigenen Bild“ hat. Ausgenommen sind unter bestimmten Umständen absolute oder relative Personen der Zeitgeschichte. Ersteres sind Personen, die immer berühmt sind, wie Präsidenten, der Papst oder besonders große Popstars wie Madonna, Michael Jackson, die Rolling Stones etc. Relative Personen der Zeitgeschichte sind Menschen, die nur „manchmal“ berühmt sind, weil sie etwa eine Auszeichnung überreicht bekommen oder eben ein Konzert geben.

Für redaktionelle Zwecke dürfen Bandfotos in der Regel genutzt werden, also um einen Artikel über das Konzert zu bebildern. Eine Akkreditierung (siehe oben) ist jedoch Voraussetzung. Einige große Bands oder Musiker (Moby, Robbie Williams, Rolling Stones) versuchen jedoch, mit Knebelverträgen den Fotografen Auflagen zu machen, was die Nutzung der Bilder angeht. Da hilft es nur, die Verträge aufmerksam zu lesen und im Notfall nicht zu unterschreiben – und dann auch auf Fotos zu verzichten.
Für eine kommerzielle Nutzung der Fotos (Werbung, Merchandise ...) ist üblicherweise eine schriftliche Erlaubnis des Konzertveranstalters (soweit erkennbar ist, wo das Konzert war) und der Band notwendig.

Andersrum gilt natürlich, dass Bands, die Ihre Fotos benutzen wollen, Ihr Urheberrecht an den Fotos beachten müssen, die Bilder also ebenfalls nicht ohne Ihre Erlaubnis nutzen dürfen.

Für mehr Informationen zu den rechtlichen Bedingungen kann ich Webseiten wie zum Beispiel www.fotorecht.de empfehlen.

 

Lesen Sie auch den ersten Teil dieses Praxisartikels, den sie hier finden.


Kommentare (1)add comment
Joanna N: Konzertfotografie
Hallo
Dies war unser erster versuch in dieser Richtung,und wir hatten auch mit bennanten Problemen zu Kmpfen gehabt - Es will gelernt sein;)
Die Fotos sind alle unbearbeitet und entstanden mit Cannon EOS-300D und EOS-20D.
http://stillcollins.fotografnrw.de/
Liebeb Grss
Joanna und Rolf

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Dezember 24, 2006
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